Internationales Gitarrenfestival Erl
SAVE THE DATE
9. Internationales Gitarrenfestival
LA GUITARRA ERL
12. - 14. August 2027
Festspielhaus Erl

RÜCKBLICK 8. Internationales Gitarrenfestival La Guitarra Erl 2026
RITMOS DE CORAZÓN
Wenn Saiten zu Herzen gehen
Julia Malischnig begeisterte mit ihrem 8. Gitarrenfestival in Erl – drei höchst unterschiedliche Konzertabende, eine umjubelte Uraufführung und dreimal Standing Ovations
ERL. Drei Tage, drei musikalische Welten und dreimal ein Publikum, das sich am Ende von den Sitzen erhob: Das 8. Internationale Gitarrenfestival „La Guitarra Erl“ im Festspielhaus wurde zu einem eindrucksvollen Plädoyer für musikalische Vielfalt. Intendantin Julia Malischnig spannte unter dem Motto „Ritmos de Corazón“ einen Bogen vom ursprünglichen Flamenco über die außergewöhnliche Verbindung von Gitarrenmusik und Big-Band-Sound bis zur grenzenlosen Weltmusik von Latin-Grammy-Gewinnerin Buika.
Flamenco zwischen Feuer und leisen Tönen
Den Auftakt setzte der spanische Ausnahmegitarrist Daniel Casares mit seinem Flamenco-Sextett. Unter dem Titel „El poder de lo sutil – von der Kraft der leisen Töne“ zeigte der Musiker aus Málaga, dass Flamenco weit mehr ist als rasante Gitarrenläufe. Stimme, Tanz, Percussion und Saiten verschmolzen zu einem intensiven Dialog, in dem sich Virtuosität und Emotion gegenseitig steigerten. Casares, der bereits mit 16 Jahren den renommierten Bordón Minero de La Unión gewann, verbindet seine tiefe Verwurzelung im andalusischen Flamenco mit einer zeitgemäßen, offenen Klangsprache. Flamenco mit Herznote!
Ein musikalisches Experiment geht voll auf
Zum eigentlichen Herzstück des Festivals wurde am Freitag die Uraufführung von „Ritmos de Amistad“. Julia Malischnig wagte dabei ein Experiment: Kann die intime, feingliedrige Klangwelt der Gitarre mit der Wucht und Farbenvielfalt einer Big Band zu einer Einheit werden? Die Antwort des Abends fiel eindeutig aus: Ja.
Grundlage waren Stücke aus Malischnigs neuem Album „AMISTAD“, einer Hommage an Freundschaft und kulturelle Verbundenheit. Gemeinsam mit Gitarrist Cecilio Perera, Akkordeonist Klaus Paier, Wolfgang Puschnig an Flöte und Saxophon, Cellistin Asja Valčić, Bassist Stefan Gfrerrer, Percussionist Klaus Lippitsch und Tänzerin Marina Razumovskaja traf Malischnigs Ensemble auf die kelagBIGband.
Dass dieses Aufeinandertreffen nicht zum bloßen Nebeneinander zweier Klangkörper wurde, war ganz wesentlich Hans Lassnig-Walder zu verdanken. Der Leiter der kelagBIGband hatte für diesen Abend neun Arrangements geschaffen, die der Gitarre ihren Raum ließen und zugleich die ganze Kraft eines großen Bläserensembles nutzten. Südliche Klangfarben, lateinamerikanische Rhythmen, spanische Eleganz und zeitgenössische Elemente verbanden sich zu einem überraschend homogenen Ganzen. Was auf dem Papier als gewagtes Experiment erscheinen mochte, entwickelte auf der Bühne eine enorme musikalische Sogwirkung.
Gerade darin zeigte sich auch die Handschrift von Julia Malischnig als Festivalleiterin: Sie stellt die Gitarre ins Zentrum, sperrt sie aber nicht in stilistische Grenzen. Das Instrument wird vielmehr zum Ausgangspunkt für Begegnungen mit Jazz, Weltmusik, Tanz und unterschiedlichsten musikalischen Traditionen.
Die nächste Generation überzeugte
Dass La Guitarra Erl zugleich in die Zukunft blickt, bewies das Impulskonzert am Samstagnachmittag. Benno Panhans an der Gitarre und Darius Schmid an der Violine, beide Pre-College-Studenten am Mozarteum Salzburg und bereits mehrfach ausgezeichnet, präsentierten im Foyer des Festspielhauses einen frischen Zugang zur Gitarrenkammermusik. Virtuosität, jugendliche Spielfreude und erstaunliche musikalische Reife machten deutlich, welches Potenzial in dieser nächsten Musikergeneration steckt.
Buika als fulminanter Schlusspunkt
Für einen Abschluss, der kaum kontrastreicher zum Festivalauftakt hätte sein können, sorgte Buika. Die spanische Sängerin mit familiären Wurzeln in Äquatorialguinea gilt als eine der außergewöhnlichsten Stimmen zwischen Weltmusik, Flamenco, Jazz, Soul und Pop. Die Latin-Grammy-Gewinnerin hat im Laufe ihrer Karriere unter anderem mit Carlos Santana, Anoushka Shankar und Seal gearbeitet.
In Erl wurde rasch deutlich, warum Buika international eine derart starke Bühnenpräsenz zugeschrieben wird. Ihre Stimme kann rau und verletzlich, dunkel und kraftvoll, im nächsten Augenblick wieder beinahe zärtlich klingen. Gemeinsam mit Gitarrist Jerónimo Maya und ihrer Band ließ sie musikalische Grenzen bedeutungslos werden. Was blieb, waren Rhythmus, Emotion und eine unmittelbare Verbindung zum Publikum – ganz im Sinne des Festivalmottos „Ritmos de Corazón“.
Dreimal Standing Ovations
So unterschiedlich die großen Konzertabende waren, eines hatten sie gemeinsam: Das begeisterte Publikum dankte dreimal mit stehenden Ovationen. Ein stärkeres Kompliment für die programmatische Arbeit von Julia Malischnig ist kaum denkbar.
Nach acht Ausgaben hat sich La Guitarra Erl längst von einem reinen Gitarrenfestival zu einem musikalischen Treffpunkt entwickelt, an dem die Gitarre Türen in andere Klangwelten öffnet. Flamenco aus Andalusien, lateinamerikanische Rhythmen, Big-Band-Jazz, Kammermusik und globale Sounds fanden im Festspielhaus zusammen. Gerade diese Vielfalt machte die drei Festivaltage aus.
Und vielleicht liegt darin das Erfolgsrezept von Julia Malischnig: Sie präsentiert nicht einfach Konzerte, sondern schafft Begegnungen. Beim 8. La Guitarra Erl wurde aus musikalischen Gegensätzen ein gemeinsamer Herzschlag – und aus einem mutigen Experiment ein Festival, das noch lange nachklingen dürfte.
Das 9. Internationale Gitarrenfestival wird vom 12. - 14. August 2027 im Festspielhaus Erl stattfinden.
